Energie aus Bürgerhand: „Die Gesellschaft braucht mutige Vorreiter“

Abgeordnete Bettina Lisbach und Josha Frey (GRÜNE) zu Besuch beim Bioenergiedorf Hägelberg.

(03.09.2018) Die beiden grünen Landtagsabgeordneten Josha Frey aus Lörrach und Bettina Lisbach, Vorsitzende des Arbeitskreises Umwelt, Energie und Naturschutz der GRÜNE-Landtagsfraktion, besuchten kürzlich das Bioenergiedorf Hägelberg. Im Gespräch mit dem Vorstand Manfred Ruf, den drei Aufsichtsräten Jürgen Rösch, Claudia Nagorny-Merkt und Dieter Hann, dem Steinener Bürgermeister Gunther Braun sowie Ortsvorsteherin Gabriele Kaiser-Bühler informierten sich die beiden Abgeordneten über aktuelle Entwicklungen und Projekte der Energiegenossenschaft Energie aus Bürgerhand Hägelberg (EABH).

Seit 2009 besteht die EABH. Sie produziert in einem Blockheizkraftwerk, welches von einem Landwirt betrieben wird, Strom. Gleichzeitig wird mit einem Holzhackschnitzelheizwerk Wärme hergestellt, welche über ein eigenes Nahwärmenetz in Hägelberg verteilt wird.

Bis die heute sehr erfolgreiche Bürgerenergiegenossenschaft entstehen konnte, waren viele ehrenamtlich geleistete Stunden notwendig: die Eignung des Dorfes für ein solches Projekt musste überprüft, Heizkosten berechnet, notwendige Ressourcen ermittelt und die Anlage sowie die Unternehmensstruktur geplant werden. Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Rösch ist immer noch vom Projekt und dessen Umsetzung begeistert: „Das Warten auf Maßnahmen gegen den Klimawandel dauerte uns einfach zu lange und wir wollten die die Energiewende bei uns vor Ort selbst in die Hand nehmen. Das Bioenergiedorf Hägelberg zeigt, wie viel die Zivilgesellschaft mit ehrenamtlichem Engagement erreichen kann. Die Zusammenarbeit ist auch für den menschlichen Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft äußerst wertvoll.“

Beim Bau des Nahwärmenetzes hat die EABH auch daran gedacht, ein Glasfasernetz bis in jedes Haus mit zu verlegen, sodass heute die Voraussetzungen für einen Anschluss Hägelbergs ans schnelle Internet bereits gegeben sind. Die Genossenschaft wird dieses Breitbandnetz an den Breitbandzweckverband des Landkreises verkaufen. Bettina Lisbach und Josha Frey waren begeistert von so vielen innovativen Ideen: „Unsere Gesellschaft braucht Personen, die den Mut haben, Sachen in die Hand zu nehmen und Vorreiter zu sein. Das muss auch von der Gesellschaft und der Politik wertgeschätzt werden“, so Josha Frey.

Die Energie- und Umweltpolitikerin Bettina Lisbach interessierte sich auch für die Pflanzen, die für die Stromproduktion aus Biomasse in Hägelberg genutzt werden. Dieter Hann ist zusammen mit dem beteiligten Landwirt immer wieder auf der Suche nach Alternativen zum Mais. So haben sie in diesem Jahr einen Versuch mit einer noch relativ wenig verbreiteten Pflanze für die Biomasseproduktion begonnen: die durchwachsene Silphie, ein ca. drei Meter hoch wachsende Korbblütler. Vorteile dieser Pflanze sind, dass sie über mehrere Jahre auf einem Feld stehen kann, trockenheitsangepasst ist und hohe Biogasausbeuten hat. Auch ökologisch bringt sie im Vergleich zu Mais verschiedene Vorteile mit sich. Das Ergebnis des Versuchs wird sich im nächsten Jahr zeigen. „Das große Engagement der Bürgerenergiegenossenschaft in Hägelberg beeindruckt mich sehr. Wir brauchen noch mehr Menschen, die mit so viel Überzeugungskraft und Begeisterung dazu beitragen, dass Energiewende und Klimaschutz bei uns im Land in großen Schritten vorankommen,“ betonte Bettina Lisbach abschließend.

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