Fachgespräch: „Wohnungsbau auf grüner Wiese?

(29.06.2018) „Wohnungsbau auf grüner Wiese? Ansätze für eine flächenschonende Wohnungsbaupolitik“ – unter diesem Titel hatten Bettina Lisbach MdL, AK-Vorsitzende für den Bereich Umwelt- und Naturschutz und Susanne Bay MdL, Sprecherin für Bauen und Wohnen zu einem öffentlichen Fachgespräch am 09. Juni 2018 eingeladen. Rund 60 Gäste aus Baupraxis, Naturschutz, Wissenschaft und verschiedenen kommunalen Gremien folgten der Einladung. Mit Abgeordneten und Referent*innen diskutierten sie Strategien für ein nachhaltiges Flächenmanagement und Handlungsoptionen auf kommunaler sowie auf Bundes- und auf Landesebene. Anhand von Best-Practice-Beispielen wurden die jeweiligen Erfahrungen beim Bauen und Flächenschonen ausgetauscht und konkrete Ansätze für flächensparende Lösungen bei Planung und Realisierung von Wohnungsbau erörtert.

Spannende Impulse kamen dabei von den Referent*innen Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis (Institut für Stadt- und Regionalentwicklung an der Hochschule Nürtingen-Geislingen), Gudrun Heute-Bluhm (geschäftsführendes Vorstandsmitglied des baden-württembergischen Städtetags), Dr. Gerhard Bronner (Vorsitzender Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg), Thomas Kiwitt (Leitender Technischer Direktor Verband Region Stuttgart) und Dr. Corinna Clemens (Bürgermeisterin für Stadtentwicklung in Sindelfingen).

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Zielkonflikt zwischen Bauen zur Behebung des Wohnraummangels und dem schonenden Umgang mit der endlichen Ressource Fläche ist wichtig, gerade für uns GRÜNE. Es geht hier um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, um die Planung von zukunftsfähigen Städten und Gemeinden und um den verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt.

Bettina Lisbach MdL, AK-Vorsitzende Umwelt, Energie, Klima- und Naturschutz: „Wenn Freiflächen auf der „Grünen Wiese“ bebaut werden, verlieren wir Lebensräume für Tiere und Pflanzen, wertvolle Naherholungsgebiete und Flächen mit stadtklimatischer Ausgleichsfunktion. Deshalb setzen wir GRÜNE beim Wohnungsbau auf flächensparendes Bauen und auf eine „vertikale Stadtplanung“ in die Höhe statt in die Breite. Gleichzeitig wollen wir Innenentwicklung “doppelt“ voranbringen: Nicht nur der Gebäudebestand, sondern auch Grünstrukturen im Quartier müssen verdichtet werden. Begrünte Dächer, Fassaden, Bäume und andere Grünstrukturen verbessern die Lebensqualität und das Stadtklima.“

Susanne Bay MdL, Sprecherin für Bauen und Wohnen: „Es gibt keine einfachen Lösungen im Spannungsfeld zwischen Wohnraum schaffen und Flächen schonen. Wohnen ist die zentrale soziale Frage unserer Zeit. Es muss uns gelingen, eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, ohne kurzsichtig Natur- und Erholungsräume aufzugeben. Wichtig ist es deshalb, in jedem Fall zu entscheiden, wo die Eingriffe weniger folgenschwer sind, um neuen Wohnraum zu schaffen. Oft ist das der Innenbereich, aber nicht überall sind solche Potentiale zu heben. Bevor dort unter Umständen die letzte Grünfläche zugebaut wird, kann auch ein Grundstück am Rande der Bebauung nach gründlicher Interessenabwägung die bessere Wahl sein.“

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