Französisch-deutscher Austausch zu Klimaschutz und Energiewende: MdL Bettina Lisbach (GRÜNE) besucht Île de Sein in der Bretagne

(19.06.2017) Landtagsabgeordnete Bettina Lisbach, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Naturschutz des Landtags war zu Besuch auf der Île de Sein in der Bretagne, um sich dort mit Mitgliedern der IDSE ( Île de Sein Energies ) zu treffen. Der Präsident der IDSE, Serge Coatmeur, empfing sie am 9. Juni bei der Ankunft des Bootes auf der Insel.

Die Einwohner*innen von Sein setzen sich mit ihrer Initiative für die Energieautonomie der Insel ein und wollen zukünftig ausschließlich erneuerbare Energien lokal auf der Insel erzeugen. Lisbach betont, wie wichtig und zukunftsweisend die Aktivitäten der IDSE sind.
„Es beeindruckt mich sehr, dass – wie vor 40 Jahren in Schönau – auf der Île de Sein Bürgerinnen und Bürger die Energiewende selbst in die Hand nehmen und aktiv mitge¬stalten wollen. In Baden-Württemberg verfolgen wir die Energiewende heute im breiten Konsens und unterstützen dabei auch gezielt Bürgerenergiegenossenschaften. Es ist wichtig, dass die Menschen vor Ort direkt von der Energiewende profitieren. Auch in Schönau mussten Bürgerinnen und Bürger lange kämpfen, um ihr Ziel zu erreichen. Heute sind sie ein Vorzeigeprojekt für die Umstellung auf erneuerbare Energien in Deutschland“, so Lisbach.

Serge Coatmeur und Bettina Lisbach zeigen sich überzeugt, dass die Versorgung der Île de Sein mit fossilen Energien nicht mehr zeitgemäß ist und dem Klima schadet. Auch ist die heutige Stromerzeugung der Insel auf der Grundlage von Benzin im Vergleich zu erneuerbaren Energien sehr teuer. Gerade für die Windenergie bietet die Île de Sein dagegen enormes Potential. Dabei betont Lisbach, dass die Energiewende nicht allein von großen Konzernen gestaltet werden sollte, sondern dass auch Bürgerinnen und Bürger wichtige Akteure sind.

Als Landtagsabgeordnete setzt sie sich außerdem dafür ein, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam die Energiewende in Europa voranbringen und den Ausstieg aus der Atomenergie verfolgen. „Dazu tragen auch gerade die vielfältigen dezentralen Bürgerenergiegesellschaften bei, für die die IDSE auf der Île de Sein ein beeindruckendes Beispiel ist. Ich hoffe, dass die IDSE mit ihren Initiativen erfolgreich ist. Denn nur zusammen und länderübergreifend werden wir die Pariser Klimaschutzziele erreichen können.“, so Lisbach abschließend.

Hintergrundinformationen
Einige Akteure der IDSE hatten mich bereits letzten Oktober im Rahmen ihrer Deutschlandreise im Landtag besucht, so dass wir uns über verschiedene Aktivitäten zu Klimaschutz und Energiewende austauschen konnten. Dieses Treffen gab den Anstoß für den Besuch auf der Île de Sein während der Pfingstferien. Begleitet wurde ich von meinem Partner, mit dem ich davor und danach entlang der bretonischen Küste wandern war.
Die Île de Sein hat aktuell ca. 200 Einwohner*innen. In Ferienmonaten besuchen tagsüber ca. 2000 Tourist*innen die Insel.
Einige Aktive der IDSE, darunter der letzte Leuchtturmwärter (heute in Rente) und der letzte Berufsfischer der Insel, haben uns über die Insel geführt. Sie stellten uns sehr plastisch dar, wie unmittelbar die Insel vom Klimawandel bedroht und auch von den negativen Folgen der fossilen Energienutzung betroffen ist:
– Die Insel liegt im Durchschnitt 1,5 m über dem Meeresspiel (max. 9 m ü. N.N.) und ist deshalb von einem weiteren Anstieg des Meeressniveaus existenziell bedroht. Ältere Einwohner*innen der Insel berichteten uns, wie und an welchen Stellen ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels im Laufe der letzten Jahrzehnte zu verzeichnen ist. So werden Schutzmauern und -deiche, die früher als völlig sicher galten, heutzutage regelmäßig überflutet und teilweise zerstört. Ehemalige Spielflächen für Kinder oder auch Lagerflächen für die Fischer sind heute teilweise über viele Monate hinweg komplett unter Wasser u.a.m.
– Schwere Stürme und Unwetter nehmen den Berichten der Inselbewohner*innen zufolge deutlich zu (1990-1999: 7 Stürme, seit 2010 bereits über 14).
– Die Insel war bereits mehrfach Opfer von Ölpesten. Besonders schlimm betroffen war die Île de Sein 1976 von dem Unfall der Böhlen. So berichtete uns der Fischer von einer spektakulären Rettungsaktion zweier Schiffbrüchiger, an der er selbst beteiligt war. Noch heute finden sich unter Steinen Reste des Öls, das die Insel verschmutzte.

Links:
Informationen über die Île de Sein:
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%8Ele_de_Sein

Informationen über die IDSE (Energie-Initiative der IDS):
http://www.idsenergies.fr/idse

Informationen zur Ölpest 1976:
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hlen_(Schiff)

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