GRÜNE Landtagsfraktion beschließt 10-Punkte-Plan für biologische Vielfalt

(21.09.2017) MdL Bettina Lisbach: „Sofortmaßnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zwingend notwendig!“

Die Artenvielfalt in Deutschland ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Forschungen belegen, dass über ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Ackerwildkrautarten gefährdet sind, ebenso 41% der Wildbienenarten. Verschiedene Studien stellen einen Rückgang der Insektenbiomasse um bis zu 80% innerhalb der letzten 25 Jahre fest, was wiederum extrem negative Auswirkungen auf Vogelpopulationen in Deutschland hat.

Die Grüne Landtagsfraktion hat auf ihrer Klausur Mitte September in Ettlingen deshalb einen 10-Punkte-Plan zum Schutz der Biologischen Vielfalt beschlossen. Ein Handlungsprogramm Ökologie mit Sofortmaßnahmen der Landesregierung soll noch im Herbst folgen.

Die wichtigsten Ursachen für den drastischen Rückgang der Tier- und Pflanzenarten sind der Flächenverbrauch und die zunehmende Zerschneidung der Landschaft, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat und den für Insekten besonders schädlichen Neonicotinoiden, die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch das Verhalten der Menschen als Konsument*innen von Lebensmitteln und Rohstoffen.

„Die grün-geführte Landesregierung hat in den letzten Jahren bereits viel unternommen, um den Naturschutz im Land zu fördern und die ökologische Landwirtschaft auszubauen“, so Lisbach, Sprecherin der Grünen im für Naturschutz zuständigen Umweltausschuss. „Um den Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen, müssen aber weitere Maßnahmen sofort eingeleitet und die finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Die Förderung der Biodiversität ist eine Gemeinschaftsaufgabe, der sich alle Ebenen annehmen müssen: Von den Kommunen über die Kreise bis hin zum Land muss dieses Thema im Fokus stehen.“

Die zehn Punkte zur Stärkung der Biologischen Vielfalt kurz zusammengefasst:

1. Grundlagenwissen schaffen:
Nur wenn aktuelle Bestände, Habitate und Gefährdungsursachen der Tier- und Pflanzenarten bekannt sind, können wir diese wirksam schützen. Dazu brauchen wir eine schnelle Aktualisierung der Roten Listen, ein Insekten-Monitoring und eine Stärkung der ökologisch-wissenschaftlichen Lehre an Hochschulen und in Schulen.

2. Schutzgebiete erhalten und wiederherstellen:
Unsere Schutzgebiete wollen wir durch gezielten Flächenkauf und zielorientiere Pflegemaßnahmen langfristig sichern und gestörte Funktionen wiederherstellen. Auch der Bodenschutz und die Erhaltung bzw. Wiederherstellung von Mooren sind uns wichtig.

3. Landesweiten Biotopverbund umsetzen:
Eine beim Land angesiedelte Koordinierungsstelle soll die Umsetzung fachlich fundiert unterstützen. Wir wollen wirkungsvolle Instrumente zur Verringerung des Flächenverbrauchs entwickeln.

4. Das Land ist Vorbild:
Staatsdomänen wollen wir naturverträglich bewirtschaften und damit Anschauungsbeispiele für die naturschutzgerechte landwirtschaftliche Praxis liefern.

5. Naturerfahrung in der Stadt ermöglichen:
Wir wollen „Naturerfahrungsräume“ in der Stadt entwickeln und damit sowohl die biologischen Vielfalt als auch die Umweltbildung stärken. Förderprogramme sollen Kommunen, Vereine und Bürger*innen dabei unterstützen, städtische Grün-und Freiflächen für den Naturschutz aufzuwerten.

6. Für Natur und Heimat begeistern:
Wir wollen Information, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit auf verschiedenen Ebenen stärken, zum Beispiel, indem wir Umwelt- und Naturschutzzentren finanziell und personell besser fördern.

7. Eine Pestizidreduktionsstrategie erarbeiten:
Zum Schutz der Insekten, des Bodens und des Grundwassers wollen wir den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden verringern.

8. Vorreiter im Ökologischen Landbau werden:
Dazu richten wir Bio-Musterregionen ein und etablieren eine Zentrum für den Ökologischen Landbau in Hohenheim. Wir wollen, dass landeseigene Unternehmen, zum Beispiel Kantinen, mehr ökologische Erzeugnisse beziehen.

9. Streuobstwiesen erhalten:
Wir wollen Maßnahmen umsetzen, um diese besonders artenreichen Lebensräume dauerhaft zu erhalten. So wollen wir Erzeugergemeinschaften mit Öko-Zertifizierung und die Vermarktung von Streuobst fördern.

10. Programme und Institutionen besser vernetzen:
Unser Ziel ist, die vorhandenen Programme sowie Förderung und Beratung zu stärken und die Zusammenarbeit von Verwaltung und anderen Akteuren im Naturschutz zu verbessern, um alle Synergieeffekte zu erschließen.

Das vollständige Papier zum 10-Punkte-Plan finden Sie hier: Biologische Vielfalt erhalten

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