Landtags-Anfrage zu stadtklimatischen Belastungen in Hitzesommern

(29.09.2017) Lisbach: „Auftreten der Tigermücke in Karlsruhe ist ernstzunehmendes Warnsignal!“

Städte und Ballungsräume sind vom Klimawandel besonders stark betroffen. In den Ballungsräumen Baden-Württembergs ist innerhalb der letzten 50 Jahre eine deutliche Erhöhung der Durchschnittstemperaturen und eine Häufung von Hitzetagen zu beobachten – Tendenz weiter steigend. Die beiden GRÜNEN Abgeordneten Susanne Bay und Bettina Lisbach haben zu diesem Thema eine Anfrage im Landtag gestellt, in der sie sich mit den Folgen des Klimawandels in Städten und mit möglichen Anpassungsmaßnahmen beschäftigen.

Versiegelung und dichte Bebauung führen in Städten zum sogenannten „Hitzeinseleffekt“: So treten in Ballungsräumen meist deutlich höhere Temperaturen auf als im Umland. Im Sommer machen die Temperaturunterschiede zwischen Innenstadt und Außenbereich oft bis zu 6°C aus; für Karlsruhe wurde sogar eine Temperaturdifferenz von 7°C ermittelt!

Auch hat sich die Anzahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30°C in den letzten vier bis fünf Jahrzehnten fast verdoppelt – und sie steigt weiter. Von durchschnittlich 16 heißen Tagen, die für die Jahre 1971 bis 2000 ermittelt wurden, steigt die Zahl der Hitzetage kontinuierlich an auf ca. 35 prognostizierte Tage für den Zeitraum zwischen 2021 und 2050 bis hin zu voraussichtlich ca. 50 Hitzetagen ab 2070.

Die Folgen der stadtklimatischen Belastungen in Hitzesommern sind für Mensch und Umwelt gravierend. Es kommt zu gesundheitlichen Belastungen, die insbesondere Kleinkinder, ältere und kranke Menschen betreffen. Als unmittelbare Folge können Hitzekollaps, Hitzeschlag, Krämpfe und Austrocknung auftreten. Auch kann es zu einer Verschlechterung chronischer Erkrankungen kommen.

Langfristig erhöhte Mitteltemperaturen führen auch zu Veränderungen von Flora und Fauna, darunter auch zu einem vermehrten Auftreten von krankheitsübertragenden Insekten. „Aktuell ist besonders das Auftreten der Tigermücke in Karlsruhe besorgniserregend und ein ernstzunehmendes Warnsignal“, so Bettina Lisbach. „Der Klimawandel ist eben nicht nur ein Phänomen ferner Länder, sondern er findet ganz konkret auch bei uns statt. Deshalb ist es notwendig, dass wir Anpassungsstrategien entwickeln und beschlossene Maßnahmen auch konsequent umsetzen.“

Das Umweltministerium hat aufgrund der sich verändernden klimatischen Bedingungen 2015 ein Konzept mit Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt, die nun sukzessive auf den Weg gebracht werden. Wichtige Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, so z.B. die Einrichtung von Warndiensten und Hitzeberatungen oder auch die gezielte Bekämpfung von Schadtieren und Schadpflanzen, die aus wärmeren Gegenden eingewandert sind. Auch in den Hochwasserschutz und die Starkregenprävention hat das Land in den letzten Jahren viel investiert.

Ein wesentlicher Bestandteil der Anpassungsstrategie ist das ressortübergreifende Förderprogramm „KLIMOPASS“. Es fördert Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen für eine klimaoptimierte Stadtentwicklung. „Mit einer Neuauflage des Programms sollen die bisherigen Pilotmaßnahmen nun in vielen Kommunen umgesetzt werden und Breitenwirkung entfalten“, betont Lisbach.

Ausreichende Durchlüftung, Begrünung und Entsiegelung im Quartier sind wichtige Instrumente einer klimaoptimierten Stadtentwicklung. Auch müssen großflächige Kaltluftentstehungsgebiete und Frischluftschneisen (Wiesen, Wälder, Grün- und Freiflächen) von einer Bebauung freigehalten werden. MdL Susanne Bay, Sprecherin für Wohnen und Bauen: „Wo Grünanlagen fehlen, kann Fassaden- oder Dachbegrünung in Verdichtungsräumen regulierend wirken. Wissenschaftliche Studien belegen, dass durch derartige Maßnahmen eine spürbare Absenkung der lokalen Lufttemperatur erreicht werden kann.“

Die komplette Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage finden Sie hier:
https://www.bettina-lisbach.de/wp-content/uploads/Anfrage-Stadtklima-Antwort-WM-2546.pdf

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