Landtagskandidatur-Interview

Interview des Grünen Landesverbands zur Landtagskandidatur von Bettina Lisbach

Wo bist Du geboren und wie lange lebst Du schon in Karlsruhe?

Ich bin 1964 in Karlsruhe geboren und habe dort noch die erste Klasse besucht. Danach zog meine Familie in die Pfalz nach Bad Bergzabern, wo ich bis zum Abitur gelebt habe. 1989 bin ich berufsbedingt wieder nach Karlsruhe zurück gekehrt und lebe bis heute sehr gerne hier.

In den letzten 26 Jahren habe ich in verschiedenen Stadtteilen Station gemacht (Innenstadt, Weststadt, Oststadt, Bulach, Durlach) und lebe heute zusammen mit meinem Partner in Rintheim.

Wie sieht Dein beruflicher Werdegang aus?

Nach dem Abitur habe ich an der Fachhochschule Nürtingen Landespflege studiert (Abschluss Dip.-Ing FH Landespflege) und an der Universität Karlsruhe Geoökologie (Abschluss Diplom-Geoökologin). Von 1989 bis 2001 war ich als Landschaftsplanerin und Ökologin für verschiedene Planungsbüros und für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Rheinland-Pfalz tätig.

2001 habe ich eine Zusatzausbildung als Softwareentwicklerin absolviert. Seitdem arbeite ich in einem mittelständischen Karlsruher Unternehmen, das Informationssysteme für den öffentlichen Nahverkehr herstellt. Ich habe dort zunächst Software für Fahrgastinformationssysteme entwickelt und bin heute als Projektmanagerin tätig. Zu unseren Kunden gehören Verkehrsbetriebe in der ganzen Welt. Deshalb bin ich immer wieder auch im Ausland unterwegs – zur Zeit häufig in Montréal. Dort entwickeln wir ein Informationsleitsystem für knapp 2000 Busse für die „Société de Transport de Montréal“ (STM), die städtischen Verkehrsbetriebe.

Und wo warst Du ehrenamtlich aktiv bzw. wo bist Du es heute noch?

Schon als Jugendliche habe ich mich engagiert, zunächst in der Schülermitverwaltung, der Jugendarbeit, später in der örtlichen Friedensgruppe, beim BUND, bei amnesty international oder auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit.

Soweit es mir zeitlich möglich ist, bin ich auch heute noch hin und wieder beim BUND aktiv und unterstütze verschiedene Aktionsbündnisse und Bürgerinitiativen bei ihrer Arbeit. Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei vor allem die Umweltthemen: Flächenverbrauch, Luft- und Lärmbelastung, Energiewende, Klima- und Naturschutz.

1998 bin ich bei den Grünen eingetreten und seitdem vor allem dort ehrenamtlich aktiv, zunächst vier Jahre lang im Kreisvorstand und seit 2004 als Stadträtin. Seit 2008 arbeite ich auch im Vorstand der kommunalpolitischen Vereinigung der Grünen in Baden-Württemberg (GAR) mit.

Hobbies und private Interessen

Natürlich interessiert und fesselt mich die Politik. Seit 11 Jahren bin ich in Karlsruhe ehrenamtliche Stadträtin, seit 2008 Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat. Da ich gleichzeitig berufstätig bin, bleibt leider nicht allzu viel Zeit für Hobbies und private Interessen. Ich bin sehr naturverbunden und verbringe so viel Zeit wie möglich draußen in der Natur oder in unserem Garten. Im Urlaub mache ich am liebsten lange Wanderungen oder Radtouren. Außerdem lese ich gerne und tausche mich gerne mit Menschen aus – über Privates, aber auch über Politik und Gesellschaft.

Was sind für Dich wichtige persönliche Wegmarken?

Das sind weniger einzelne Erlebnisse. Mich hat vor allem geprägt, dass ich immer wieder neue Lebens- und Arbeitswelten kennengelernt habe – angefangen vom Job auf dem Biobauernhof bis hin zu meiner heutigen Tätigkeit in der IT-Branche. Diese Wechsel habe ich immer wieder als anregend und im positiven Sinne als Herausforderung empfunden. Und ich bin dabei vielen Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen und Wertvorstellungen begegnet. Wenn ich jetzt in den Landtag gewählt werde, ist das ja auch wieder ein Neustart, auf den ich gespannt bin und auf den ich mich sehr freue.

Was hat Dich politisiert? Was hat Dich zu den Grünen gebracht?

Meine Jugend war vom Aufkommen der Öko-Bewegung in den 70- er und 80-er Jahren geprägt. Damals rückten Themen wie Umweltschutz, Atomkraft oder auch Fragen der Entwicklungspolitik und der globalen Gerechtigkeit in die Mitte der Gesellschaft vor. Es entstanden Gegenmodelle für eine nachhaltige, zukunftsfähige Lebensweise, die politisch und privat ausgetestet wurden. Diese Zeit und ihre Themen haben mich politisiert und zu den Grünen gebracht. Bis heute haben die Grünen als einzige Partei den Gerechtigkeits- und Nachhaltigkeitsgedanken gemeinsam als zentrale Leitlinien in ihrer Politik verankert. Deshalb finde ich hier auch die weitaus größte Schnittmenge mit meinen politischen Einstellungen.

Was hat Dich motiviert, in die Politik zu gehen?

Ich war schon früh politisch interessiert, wollte und will Einfluss nehmen und Dinge verändern – jedenfalls, wenn sie aus meiner Sicht in die falsche Richtung laufen. Deshalb bin ich in die Politik gegangen und bis heute dabei geblieben. Lange Jahre habe ich auf ehrenamtlicher Basis politisch gearbeitet, zunächst im Kreisvorstand, dann im Gemeinderat. Erst mit der Zeit entstand der Wunsch, auch hauptamtlich Politik zu machen, um meine Kräfte besser zu bündeln und mich stärker auf die politische Arbeit konzentrieren zu können.

Was sind Deine politischen Schwerpunktthemen?

Ich beschäftige mich viel mit Themen rund um den Umwelt- und Naturschutz. Dazu gehören in einem etwas weiter gefassten Sinn auch Stadtplanung, Mobilität, Klimaschutz und Energiewende. Als Vorsitzende der Karlsruher Gemeinderatsfraktion kümmere ich mich zusammen mit meinen KollegInnen natürlich auch um andere Fachgebiete, z.B. die städtischen Finanzen, den sozialen Wohnungsbau, die Migrations- und Flüchtlingspolitik – eben um alles, was an kommunalpolitischen Themen in einer Großstadt so auf der Agenda steht.

Was sind Deine Ziele für die nächste Legislaturperiode?

Ein wesentliches Ziel ist die Linderung der für viele Menschen existenziellen Wohnungsnot in verschiedenen Städten und Regionen. Mit einer Verdreifachung der Mittel für die Wohnraumförderung, der Umsetzung der Mietpreisbremse in Baden-Württemberg und anderen Maßnahmen ist Grün-Rot hier auf dem richtigen Weg. Aber das Thema wird uns auch in der nächsten Legislaturperiode noch intensiv beschäftigen müssen. Auch die Anstrengungen bei der Unterbringung und Integration einer steigenden Zahl von Flüchtlingen sind bereits enorm. Dennoch sind weitere Maßnahmen und Verbesserungen auch seitens der Landesregierung nötig, um hier für alle Seiten akzeptable und auf Dauer tragfähige Bedingungen zu schaffen.

Neben der Lösung akuter Probleme ist es mir wichtig, vieles von dem, was unter Grüner Regie erfolgreich auf den Weg gebracht wurde, fortzuführen und weiter auszubauen. Beispiele sind die Energiewende mit dem Ausbau der Windkraft, die Umsetzung der Naturschutzstrategie oder die Pionierregion für nachhaltige Mobilität.

Für all das benötigen wir ein sehr gutes Grünes Ergebnis bei der Landtagswahl und die Fortsetzung der Grün-Roten Koalition mit Winfried Kretschmann als Ministerpräsidenten. Deshalb ist mein kurzfristiges Ziel auch ein engagierter und überzeugender Wahlkampf – überzeugend auch für diejenigen Menschen, die nicht unbedingt zu unseren StammwählerInnen gehören.

Was ist für dich der wichtigste Erfolg von Grün-Rot?

Es ist gelungen, unser Land gesellschaftlich, sozial und auch ökologisch zu modernisieren. Jetzt gilt es, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und auf das Erreichte aufzubauen.

Und abschließend noch ein kurzes persönliches, politisches Zitat:

Grün tut unserem Land gut – den Menschen und der Natur. Für mich als Ökologin gehört beides untrennbar zusammen.