Naturschutz im Wald – Veranstaltungsbericht von der Exkursion im Hardtwald am 20.10.18

(24.10.2018) Das Wetter war ideal für die voll ausgebuchte Exkursion in den Hardtwald, zu der Bettina Lisbach am 20. Oktober eingeladen hatte: Buntes Herbstlaub vor strahlend blauem Himmel. Und auch die anschließende Diskussionsrunde bei Kaffee und Kuchen konnte im Außenbereich des Waldzentrums stattfinden. Der Karlsruher Forstamtsleiter Ulrich Kienzler, der den Rundgang zusammen mit Waldökologin Stephanie Bauer leitete, hätte trotzdem Regenwetter bevorzugt: Auch der Hardtwald leidet unter dem extrem trockenen Sommer, wobei sich das komplette Ausmaß der Schäden erst in den kommenden Jahren zeigen wird.

Der Klimawandel ist aber nur eine der vielen Herausforderungen in der forstlichen Praxis. Mit 26% der Gemarkungsfläche ist Karlsruhe für einen Stadtkreis vergleichsweise waldreich. Doch muss ein stadtnaher Wald auch vielen Ansprüchen genügen und vielfältige Funktionen erfüllen: als Erholungsraum für die Karlsruher*innen, als stadtklimatisches Ausgleichsgebiet, als Lebensraum für eine Vielzahl zum Teil gefährdeter Pflanzen- und Tierarten und als Lieferant von Bau- und Brennholz. Zielkonflikte sind dabei nicht zu vermeiden: So sind zum Beispiel geteerte Waldwege der Traum vieler Radfahrer*innen, aber eine oft unüberwindbare Barriere für Laufkäfer und andere Tiere. Um diese und andere Konflikte zwischen den einzelnen Nutzungen zu entschärfen, setzt Amtsleiter Kienzler auf Transparenz und frühzeitige Kommunikation mit Bürger*innen und mit dem Naturschutz. Ein umfangreiches waldpädagogisches Angebot trägt mit dazu bei, den Wald und seine Bedeutung insbesondere auch Kindern und Jugendlichen nahezubringen.

Lebhafte Diskussionen gab es um die Frage, ob Naturschutz im Wald ausschließlich das Beenden jeder Bewirtschaftung auf möglichst vielen Flächen bedeutet, so dass Sukzessionsvorgänge als natürliche Entwicklungs- und Umwandlungsprozesse ungestört ablaufen können. Doch lassen sich bestimmte Waldgesellschaften sowie viele Tier- und Pflanzenarten nur schützen, wenn der Mensch pflegend eingreift. Der sehr seltene Heldbock ist beispielsweise auf einzelstehende, besonnte Alt-Eichen angewiesen. Er entwickelte sich früher in sog. Hutewäldern, in die Schweine zur Eichelmast getrieben wurden. Seit dem Ende der Hutewirtschaft lassen sich lichte Eichenbestände nur noch mit entsprechenden Pflegemaßnahmen erhalten – sich selbst überlassen, würden im Hardtwald schnell Schattbaumarten wie die Buche und ein entsprechend dunkles Waldbild überwiegen.

Ein weiteres Gesprächsthema war die vom Ministerium für ländlichen Raum und Forstwirtschaft geplante Fortstrukturreform, mit der Staats- und Stadtwald organisatorisch getrennt werden sollen. Im urbanen Karlsruher Wald sind Stadt- und Staatswald heute eng miteinander verwoben, was eine Aufteilung in unterschiedliche Verwaltungseinheiten sehr schwierig macht. Hier wollen sich die Karlsruher Verantwortlichen gemeinsam dafür einsetzen, auf dem Verhandlungsweg noch eine auch für Karlsruhe gute Lösung zu erreichen.

Die Exkursion war für uns alle eine interessante Bereicherung. Wir konnten viel Neues über den Hardtwald, seine Schutzwürdigkeit und auch über die wichtige Arbeit der Karlsruher Forstverwaltung erfahren. Dafür herzlichen Dank an Herrn Kienzler, Frau Bauer und allen, die zum Zustandekommen dieses schönen Nachmittags im Karlsruher Wald beigetragen haben!

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