Wahlprüfsteine Hebammenverband (HLV)

1. Flächendeckende Versorgung der Frauen/jungen Familien mit Hebammenhilfe
a) Was werden Sie aktiv gegen den Hebammenmangel in den Krankenhäusern und die schlechte Entlohnung unternehmen?

Jede Frau muss die Möglichkeit haben, eine Hebamme ihres Vertrauens zu finden, die sie vor, während und nach der Geburt begleitet. Uns ist außerdem wichtig, dass Frauen den Geburtsort frei wählen können. Im Interesse von Kindern, Eltern und Familien muss der Hebammenberuf nachhaltig gestärkt werden.
Die grün geführte Landesregierung hat 2014 gemeinsam mit Schleswig-Holstein eine Bundesratsinitiative zur Stärkung der Geburtshilfe gestartet. Wir fordern darin eine angemessene Vergütung für freiberufliche Hebammen und die Prüfung einer Absicherung des Haftungsrisikos bei der Geburtshilfe. Das Bundesgesundheitsministerium und die Krankenkassen haben jedoch immer noch nicht angemessen reagiert. Deshalb werden wir uns auch in der neuen Legislaturperiode für die genannten Ziele einsetzen.
Im Land werden wir in Kooperation mit dem Hebammenverband und den Krankenkassen versuchen, landesweit eigene Strukturen zu entwickeln, um den Bestand der freien Hebammen zu sichern. Eine Idee wäre, einen Versorgungsvertrag auf Landesebene zwischen dem Hebammenverband Baden-Württemberg und den Krankenkassen zu initiieren. Damit wollen wir politisch den Interessen von werdenden Müttern und Vätern sowie den freiberuflichen Hebammen Rechnung tragen.
b) Wie sichern Sie die flächendeckende ambulante Versorgung mit Hebammenhilfe?

Unser Ziel ist eine flächendeckende Versorgung mit Hebammen- und Geburtshilfe im ganzen Land. Wenn immer mehr Hebammen aufgrund geringer Vergütung und steigender Haftpflichtprämien ihren Beruf aufgeben, ist dieses Ziel gefährdet. Wir werden uns deshalb in der nächsten Legislaturperiode dafür einsetzen, dass ein Sicherstellungsauftrag für Hebammenhilfe im Sozialgesetzbuch V verankert wird. Die Hebammen sind für unsere Gesellschaft eine kleine, aber elementare Berufsgruppe. Sie brauchen eine starke Lobby, um angemessenen Vergütungsansprüche durchzusetzen. Wir sehen hier insbesondere Anpassungsbedarf bei der Vergütung für freiberufliche Hebammen in der Vor- und Nachsorge.
Um die Hebammenversorgung im Land zu sichern, werden wir uns weiter im Bund für Verbesserungen einsetzen und das Gespräch mit Krankenkassen, Kommunalen Landesverbänden und Hebammen suchen. Wir brauchen eine tragfähige Lösung für Baden-Württemberg und die freiberuflich bei uns tätigen Hebammen.

2. Umsetzung des §6 des HebG und Apro für die gesetzlich vorgeschriebenen 12 Wochen Externat in der Ausbildung – Was unternehmen Sie gegen dieses Defizit in der Umsetzung des § 6?

Eine stärkere Einbindung des ambulanten Bereichs in die praktische Hebammen-Ausbildung finden wir wichtig. Sie trägt den veränderten Anforderungen an den Hebammenberuf Rechnung und erleichtert vielen jungen Familien den Start in den gemeinsamen Alltag.
Durch das Gesetz über den Beruf des/der Notfallsanitäter/in wurde § 6 Absatz 2 Satz 2 HebG neu gefasst. Danach können bis zu 480 Stunden der praktischen Ausbildung bei freiberuflichen Hebammen oder in von Hebammen geleiteten Einrichtungen durchgeführt werden, wenn diese zur Ausbildung ermächtigt sind. Wir setzen uns dafür ein, dass die vier Regierungspräsidien die entsprechenden Ermächtigungen der Hebammen und hebammengeleiteten Einrichtungen einheitlich und unbürokratisch handhaben. Zudem möchten wir gemeinsam mit den Krankenkassen prüfen, wie der Aufwand der praktisch ausbildenden Hebammen vergütet werden kann.

3. Nachwuchsgewinnung – Was tragen Sie dazu bei, jungen Menschen eine Perspektive für den Beruf der Hebamme zu bieten, damit sie sich für die Ausbildung interessieren?

Im Oktober 2013 haben wir eine Anhörung zur „Akademisierung der Gesundheitsfachberufe in Baden-Württemberg“ veranstaltet, bei der vom Hebammenverband der Wunsch nach einem Studiengang für Hebammenwesen in Baden-Württemberg geäußert wurde. Wir haben uns daraufhin für eine Initiative zur Akademisierung der Gesundheitsfachberufe eingesetzt und zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Mit 10 Mio. € pro Jahr in 2015/2016 schaffen wir neue Studienplätze in den Gesundheitsfachberufen. In diesem Rahmen werden auch erstmals Studienplätze für Hebammenwesen eingerichtet. Dies ist ein wichtigen Schritt, um Hebammen die Chance auf eine akademische Ausbildung auch in Baden-Württemberg zu geben.

Auf Landesebene haben wir zudem die Kampagne „Natürliche Geburt“ ins Leben gerufen. Es haben sich dabei wichtige Akteure (Frauenärzte, Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft, Hebammen, Krankenkassen) im Gesundheitswesen zusammengeschlossen, um über die natürliche Geburt zu informieren und für diese zu werben. Schwangerschaft und Geburt sollen weiterhin als natürlicher Lebensprozess wahrgenommen werden. Es ist uns deshalb ein Anliegen, dass die Zusammenarbeit zwischen Frauenärzt/innen und Hebammen intensiviert und eine Vernetzung aller beteiligten Berufsgruppen zur optimalen Information der Schwangeren gefördert wird. Wir unterstützen die Initiative des Hebammenverbandes zur Einrichtung eines „Runden Tisches Geburtshilfe in Baden-Württemberg“ ausdrücklich. Ziel soll die Förderung der natürlichen Geburt sein.